EOFT: Kühnheit und Abenteuer sind Resultat gähnender Langeweile

Rückkopplung, das Mikro knarzt. Ein Hörsal voller Rucksäcke heißt uns willkommen. Es beginnt direkt mit Kajakfahren. Das Beste zu Beginn? Beeindruckend ist der Buseater schon, in dem Ben Marr umherflippt und rumspinnt. Neu ist allerdings anders. Doch dann Aufnahmen bei Nacht und rotes Licht. Was macht es? Rot leuchten! Es gibt keine Geschichte drumherum, die steht im Programmheft: Mit einem Tipp aus der Air Force ließ der Regisseur das Boot mit Hilfe spezieller Fackeln glühen. Mit diesem Spezialeffekt kommt Outdoorpapa Kanusport gerade noch so auf einen Abstiegsplatz in der Profiliga. Was folgt, hat damit nichts mehr zu tun.

Mit Wing Suits stehen Menschen auf Bergen, heben ab und – fliegen. Kilometerweit. Dann kommt das Amen wie in der Kirche: „Das wurde fast ein bißchen Langweilig, also flogen wir näher an den Fels heran, flacher über den Boden.“ Und sie fliegen wie Supermen in Formationsflug immer der Nase nach, kratzen sich kurz am Hintern, wirbeln von Brust auf Rücken wieder auf die Brust und ziehen den Fallschirm.

Es wird nochmal Bodenständiger. Eine Französische Band will für Mammuts 150sten Geburtstag auf den Mont Blanc steigen um auf dem Gipfel ihre Hitsingle aufzuspielen. Die unerfahrene Crew, trägt den Kontrabass auf dem Rücken durch das Eis. Die Frontfrau Zaz sagt Dinge wie „Es war eine dieser Situationen, in denen du nicht an vorher oder nachher denkst und vollständig bei der Sache bist. Es gibt nichts Schöneres als vollständig im Hier und Jetzt zu sein“ und das sie als Kind bereits mit ihrer Familie in die Berge zu fahren pflegte. Jetzt als Erwachsene sei sie immerzu auf der Suche nach dieser Kindheitsliebe. Zurecht Applaus vom Publikum – wie nach jedem Film.

Der nächste, „The Sharks Fin“ – Die Haifischflosse – handelt vom Aufstieg auf diese so benannte, einzige bisher noch nicht bestiegene Felsnadel des Mount Meru im Himalaya. „Meru“ ist das Mantra, das Ziel, das die Protagonisten bis zum Fanatismus einfängt. Ein Unglück zieht den Zuschauer unmittelbar mit in diesen Wahnsinn. Ein packender Film.

Jetzt Pause. Werbung.

Gelangweilt scheinen die beiden Jungs aus Down Under und kommen mit der Idee, Victoria Island (Nördlich von Kanada) zu Fuß zu überqueren. 1000km – was den Autobahnkilometern von Flensburg nach Konstanz am Bodensee entspricht. Mit ihrem Mondfahrzeug haben sie so ihre Probleme, doch eigentlich wissen sie schon, wenn was schief geht, kommt Mami mit dem Flieger. Es folgt ein Snowboardfilm, der ähnliche Randanerkennung wie Ben Marrs glühendes Kajak bekommt, ein gelangweilter Biker sucht neues Gelände in China und ein gelangweilter David Lama nimmt die Route Eternal Flame am Trango Tower. Der König der Langeweile ist schließlich der Slackliner Andy Lewis. Er zieht seine Lines überall, setzt immer noch ein Löffelchen drauf, auch wenn das nur ein Hasenkostüm ist. Während alle anderen noch ein gewisses Ziel erkennen lassen, scheint „Skandy“ einzig eine Frage beantworten zu wollen: „Wann und wie werde ich draufgehen?“

Das Filmfest hat es wieder bestätigt, es gibt nicht viele Gründe für Extremsport. Langeweile, Fanatismus und Geltungsbedürfnis – das ist es, was jeden Abenteurer anspornt.

Was wäre eine Welt ohne Kühnheit?

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Ein Kommentar zu “EOFT: Kühnheit und Abenteuer sind Resultat gähnender Langeweile

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