Ist der Kanusport wirklich eine Umweltsünde?

Ist unser schlechtes Gewissen eigentlich gerechtfertigt? Der Umweltschutz beim Kanusport ist seit Jahrzehnten ein Thema. Die Flüsse seien übernutzt. Tiere und Pflanzen würden beeinträchtigt. Ufer würden beschädigt. Und und und… Aber wie viel ist da eigentlich dran und vor allem: Wie wird Frosch und Fichte denn ganz praktisch geärgert? Das ist die eine Frage.

Und der Konsum? Der Sport veranlasst uns zu einem besonderen Konsum – das wird häufig nicht beachtet. Paddeljacken, Spritzdecken und Boote müssen hergestellt und transportiert werden. Wir kaufen ein. Ein Auto verbraucht auch nicht weniger, wenn es 5 Boote auf dem Dach hat. Aber eins nach dem anderen.

Das Maß der Umweltbelastung im Vergleich zu anderen Freizeitaktivitäten darf eigentlich keine Rolle spielen. Wir räumen den Mist weg, den wir machen, egal wie groß die Misthaufen anderer sind. Dennoch komme ich mir mit meinem schlechten Gewissen recht dämlich vor, wenn am Rande eines Naturschutzgebietes das Goldkettchen links neben mir sein Häschen mit 50PS und 75 Dezibel zum Plantschen ausfährt.

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Wann stellen Biber das Bibern ein?

Wie beeinflusst Du den Fluss, indem Du deine Paddelschläge setzt? Jedem ist klar, dass er seinen Müll, den er auf den Fluss bringt, auch wieder mit herunter nimmt. Dass Ufer durch reges Einaussteigen nicht besser werden, leuchtet auch ein. Aber dass Fische nicht laichen, weil mein Paddel plätschert oder mein Boot den Grund tangiert? Stellen Biber das Bibern ein, weil ein Paddler gegen ihren Bau rummst? Dazu findet man nur Behauptungen. Ich bin der Meinung, dass die Natur gut mit den meisten Dingen leben kann und bin ohnehin der Meinung, dass die Natur kein Museum ist und der Mensch selbst zu ihr gehört.

Als eine Grundlinie für naturbewusstes Paddeln hält der DKV unter anderem fest, dass „der Kanusportler die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft zu schätzen habe, um gerade auch den Erlebnis- und Erholungswert in seinem eigenen Interesse nicht zu schmälern“. Das ist der eigentliche Grund der ganzen Langezeitdebatte. Wir wollen keine zertretenen Pflanzen, keine ausgerissenen Wurzeln. Doch die Wahrheit ist – so unmotivierend sie ist – solange keine Müllinseln und Ölteppiche über die Flüsse treiben, werden Welse  weiter wuseln.

Und wann ist ein Gewässer „übernutzt“? So richtige Definitionen und Zahlen gibt es da nicht. Wieso gibt es keine Regelung, wie viele Vermieter pro Flusskilometer ansässig sein dürfen. Der Begriff „Übernutzung“ wird eigentlich in der Wissenschaft benutzt, um zu beschreiben, ab wann Gewässer durch landwirtschaftliche und industrielle Nutzung die Wasserversorgung gefährden. Ist „Übernutzung“ also eher ein Kampfbegriff?

Der Paddler verhält sich also naturgemäß, wenn er seinen Müll bei sich behält, die Blümchen nicht zertritt, die Äste und Wurzeln sich selbst überlässt und respekt vor den Naturbewohnern zeigt. Ein schlechtes Gewissen  brauchen wir ansonsten nicht zu haben.

Merinoschafe in Farmen ferchen.

Das Konsumverhalten hat die entscheidenden Wirkungen. Nicht das Paddeln selbst. Wenn man mal die Kilometer betrachtet, die man mit dem Auto pro Jahr zurücklegt um seinem Hobby nachzugehen, dann ist das schlechte Gewissen angemessen. „Möglichst Fahrgemeinschaften bilden und öffentliche Verkehrsmittel benutzen“, schlägt der DKV vor. Herr Schaffner, wo sollen die zwei Kanadier und das Kajak hin? Wie soll das gehen? Die Herstellung, beispielsweise von PE-Booten ist problematisch, da Erdöl die Grundlage für diesen Kunststoff bildet. Außerdem sind die Rohstoffe dafür (Propylen und Ethylen) leicht entzündlich. Um den Pokal im Verein zu lassen: Die meisten anderen Kunststoffe sind gefährlicher. Dennoch könnte PE auch aus Bioethylen gewonnen werden, doch das wird in der Praxis noch nicht gemacht. Nicht von Prijon, nicht von Eskimo oder Gatz. Die Kunstfaser, aus der unsere Paddelhemden und Jacken hergestellt werden, wird häufig aus Polypropylen hergestellt, dass zur gleichen Kategorie wie PE gehört – den Polyolefinen. Damit gilt für die Kleidung das Gleiche, wie für die Boote. Alternativen sind schwer zu finden. Ob wir lieber noch mehr Merinoschafe in australische Farmen ferchen wollen? Auch hier gilt vielleicht, lieber Langer und Lettmann als Dagger und Necky – Einfach um große Warenreisen zu verhindern.

Und tatsächlich wollen wir da etwas gegen tun. Hoffentlich schon nächste Woche, können wir Euch ein Projekt neben der Kanubox vorstellen, was in den Bereichen Konsum, Übernutzung und Transport Entlastung schaffen kann. Schaut also wieder vorbei und über Kommentare zu diesem Thema würde ich mich echt freuen.

Update: Wir haben Rencoe.com gestartet… Lasst uns unser Material teilen und was für unseren Geldbeutel, unsere Mobilität, unseren Sport und unser Klima tun!

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3 Kommentare zu “Ist der Kanusport wirklich eine Umweltsünde?

  1. Ahoi,

    sehr gute und wichtige Gedanken zum Kanusport. Gerade was das Thema „Übernutzung“ angeht habe ich mich mal herzlich in der Innenstadt mit einem Werbetreibendem des BUND gestritten.

  2. Es kamen die gleichen vagen Aussagen, dass ein Natursport immer im Einklang mit der Natur stattfinden muss usw. Konnte jedoch nichts konretes benennen. Konkret wurde es dann bei den Pegeln die bei uns in Bremen für die Wümme vorgegeben sind. Das sind beim Einstieg klassische Rot-Grün Anzeigen, damit man eben keine Grundberührungen hat. Dies ist jedoch eigentlich nur im Spätsommer der Fall, also genau dann wenn eigentlich kein einziger Fisch Laichzeit hat. Konkrete Schäden konnten nicht benannt werden.

    Die Schäden die tatsächlich statt finden – lauter gerammte Ufer und zertrampelte Böschungen durch Verleiherkunden die nicht eingewiesen wurden und aufgescheuchte Brutgelege – wurden nicht genannt. Zur Sprache kamen dann auch die Wasserverwirbelungen und die Unruhe die man als Kanute in den Fluss bringt.

    Dann noch regionale Positionen des BUND/Nordwestnatur in Bremen die bis heute zuverlässig die Einrichtung einer Gewässerstrecke, die internationalen Regattastandards entspricht, verhinden.

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