Was ist Collaborative Consumption?

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Hand auf’s Herz: Wie viel Kram liegt bei Dir rum, den Du eigentlich nie wieder benutzen wirst und Du es trotzdem nicht über’s Herz bringst, ihn zu entsorgen? Bücher, Videos aber auch Werkzeug, Kinderspielzeug.

Gemeinsam konsumieren. Diese Collaborative Consumption ist keine verschwurbelte Idee, sondern eine Beobachtung einer sozialen Innovation. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Bleiben wir bei der gerade beschriebenen.

Offensichtlich hat sich die Sache – sagen wir eine Star Trek DVD – für einen selbst erledigt, für jemand anderen hat aber genau diese Sache gerade in diesem Moment einen Wert. Warum nicht tauschen? Eigentlich machen wir das seit Jahren auf Gebrauchtplattformen. Die ungewollte DVD geht weg – für 4,90€ – und man bestellt sich gerade die nun gewollte, gleichwertige DVD. Solche Plattformen waren der erste Schritt. Im nächsten Schritt spart man nun den Umweg über das Bargeld und tauscht direkt. Eigentlich ein alter Hut, früher nannte es sich Tauschbörse. In den USA ist „Swaptree“ ein Beispiel dafür.

Das bemerkenswerte heutzutage sind die Entfernungen und Massen, die solche Tauschbörsen und Gebrauchtplattformen überwinden und anbieten. Selbst für einen Niche wie den Kanusport wird eine eigenständige Gebrauchtplattform bereits seit Jahren sehr gut angenommen. Auf Swaptree gab es zuweilen 59.300 Dinge, die ich gegen meine Star Trek DVD hätte eintauchen können.

Diese gemeinschaftlichen Verhaltensweisen und Vertrauensmechanismen, die hinter dem Wunsch nach solchen Plattformen stehen, sind die interessanten Aspekte an diesem sozialen Phänomen. Noch vor ein paar Jahren hätte es sich nach einer völlig verrückten Idee angehört, dass ich mein Zeug tausche, mit einem komplett Fremden, dessen echten Namen ich anfangs nicht einmal kenne. Doch genau das ist es, was wir bei eBay wie selbstverständlich tun. Technische Systeme helfen dabei nicht zuletzt, um Viele miteinander zu verbinden und helfen Vertrauen zu schaffen. Via Treuhandsysteme, Käuferschutz, Bewertungssysteme, sicheren Zahlungsmethoden etc. wissen wir wahrscheinlich heute über 6000km besser, mit wem wir es zu tun haben, als damals bei persönlichen Begegnungen auf Tauschbörsen.

Bevor ich nun zu de verschiedenen Systemen komme, noch ein paar Worte zur Bedeutung des Internets für diese Systeme. Alle Medien, die wir bisher kannten, Radio, Zeitung, Fernsehen – alle vernetzten sie wenige mit vielen. Das ermöglichte Massenkommunikation von oben nach unten. Eine vertikale Kommunikation also. Das Internet ist aber genauso gut darin, Menschen vertikal, wie horizontal zu verbinden. Diese horizontale Kommunikation verändert unheimlich viele Bereiche. Zeitungsverlage sind nicht mehr die einzigen Quellen um leicht internationale Neuigkeiten zu erfahren. Es ist einfach bis fast schon gängig, T-Shirts selbst zu entwerfen. Wir senden unsere eigene Radiosendung als Podcast und unsere eigene Talkshow via Youtube. Manche Laienfotographen haben auf Flickr beeindruckendere Portfolios als viele professionelle Fotographen in der Innenstadt. Musiker vermarkten ihre Musik selbst und bekommen immer mehr Instrumente an die Hand, weniger von Produzenten abhängig zu sein. Autoren stellen ihre Bücher kurzerhand in die Appstores. Das ermöglicht den alten Gedanken des Tauschens und der Wiederverwertung in die moderne Zeit hineinzuentwickeln. Die Mitfahrgelegenheiten, die sich bereit jetzt als Konkurrenz von Bus und Bahn erweisen, sind nur ein Beispiel dafür. Geschäftsleute, Familienväter, Wochenendheimfahrer, Fernbeziehungsführer sowie Studenten allerorts nutzen diesen Service bereits.
Was all diese Beispiele offenkundig gemeinsam haben ist, dass der Mittelsmann nicht mehr benötigt wird. Weil der Mittelsmann eigentlich die Aufgabe hatte, als Stellvertreter über die vertikalen Medien mit anderen zu kommunizieren, wird er von der horizontalen Kommunikation ersetzt.

Es gibt verschiedene Arten von Collaborative Consumption. Die erste Variante, ist die der Wiedervertriebsmärkte. Das ist genau das, was wir oben hatten. Etwas, das nicht mehr gebraucht wird, wandert dorthin, wo es gebraucht wird. Das verlängert den Lebenszyklus eines Produktes. Nummer zwei ist der „gemeinsame Lifestyle“. Das ist all das, wobei wir Zeit oder Geld miteinander teilen und so eine Leistung erbringen, die wir alleine nicht so hätten erbringen können. Crownfunding um Kulturprojekte umzusetzen, an Coworking-Arbeitsplätzen Unternehmungen realisieren und so weiter. Das Projekt „Landshare“ zum Beispiel, bringt Leute, die ein Stückchen Land besitzen (und sei es der Quadratmeter im Hinterhof) mit Leute zusammen, die gerne Anbauen wollen. Drittens, sind es die Produkt Service Systeme. Hier kannst Du Dir das bessere Auto leisten und mit anderen teilen um so die Kostendifferenz wieder ausgleichen zu können. Besitzt Du eine Bohrmaschine? Im Schnitt wird eine Bohrmaschine 12 bis 13 Minuten genutzt – in ihrer gesamten Lebensdauer. Was man aber eigentlich braucht, ist nur das Loch, das die Bohrmaschine bohrt. Warum also nicht mieten?

Das ist Collaborative Consumption oder gemeinsames Konsumieren. So und jetzt kannst Du Dir überlegen, wie unser neuer Service morgen aussehen wird.

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(Dieser Artikel wurde vom TED-Vortrag von Rachel Botsman über Collaborative Consumption inspiriert. Die Grafiken stehen unter einer CC Lizenz. Das aktuelle Buch lautet „What’s mine is yours“.)

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