Stollen statt Stausee: Ohne Gebirgsseen Energie speichern

Die erneuerbaren Energien sind unbeständig. Was machen, wenn nachts kein Wind weht? Denn ohne Sonnenlicht und Wind bleibt in Deutschland mit der Energiewende der Kühlschrank warm und die Küche kalt. Also was machen? Als Backup doch auf Kohle oder gar Atom setzen? Der 16. Juni 2013 war so ein Zufallstag: Am Tage erzeugten die Windräder und die Sonnenkollektoren in Deutschland so viel Strom, dass unsere Netze überlastet worden wären, hätte sich kein Verbraucher gefunden. Deutschland musste 60€ pro Energieeinheit (kwh) an Österreich zahlen, damit diese unseren Ökostrom in ihr Netz ließen. Damit pumpten sie ihre Gebirgsseen voll, so wie sie halt ihre Energie speichern. Am Abend aber kehrte sich die Situation ins genaue Gegenteil: Keine Sonne, kein Wind und Deutschland musste aus den Nachbarländern für weitere 30€ pro kwh Strom nachkaufen – auch aus Österreich.

In dieser Situation muss sich auch der radikalste Naturfreund eingestehen, dass wir kurzfristig ohne die Kohle wohl nicht über die Runden kommen können. Doch solche Sachlagen sind zum Glück nicht in Stein gemeißelt, im Gegenteil: In ihnen macht die Not erfinderisch. Die oben geschilderte Begebenheit zeigt bereits, welche Technik einen Ausweg bietet: Die Energiespeicherung. Bei meinen Recherchen stieß ich auf nicht wenige ratlose Politiker, die hilflos durch die brillante Erkenntnis, dass es in Deutschland nicht so wahnsinnig viele Berge gibt, den Rückweg zur Atomenergie vorschlagen. Die etwas geistreicheren unter ihnen zogen immerhin in Betracht, die Energie in den Bergen Norwegens speichern zu lassen. Die Norweger bieten uns das jedenfalls an. Immerhin, doch wage ich zu bezweifeln, dass der Energietransport von der Nordsee in die norwegischen Berge einfacher zu realisieren ist, als der nach Süddeutschland. Und der ist ja bereits alles Andere als einfach.

Um so begeisterter war ich, als ich in den Recherchen auf das Konzept „Innovation City“ stieß. Ausgerechnet in meiner Heimatstadt spielt sich dieser Geniestreich ab. Statt das Wasser von Gebirgsseen durch Turbinen in die Donau fallen zu lassen und dann bei Energieüberschuss wieder hinaufzupumpen, drehen sie im Ruhrpott den Spieß um: Sie lassen das Wasser durch Turbinen in die nutzlos gewordenen Stollen des Bergbaus fallen und pumpen es bei Energieüberschuss wieder hoch. Nach der Kohle herrschen im Ruhrgebiet nämlich leere Kassen. Die Stollen, die über 150 Jahre die größten Energielager Deutschlands waren, sind leer. Und damit sind auch die Leute ohne Arbeit. Werden plötzlich, nachdem Essen 2012 Kulturhauptstadt war, die Kumpel zu Künstler? Sicher nicht. Mit den unterirdischen Pumpspeichern wird der Kohlenpott zum Akku Deutschlands und nicht wenige stünden wieder in Lohn und Brot bei bodenständiger und ehrlicher Arbeit. Zu schön um wahr zu sein.

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