Kurzartikel: Boote aus Meeresmüll?

Nachhaltig Kanubox Kanusport

Foto: Bureo Skateboards

Die Firma »Bureo Skateboards« stellt Skateboards aus Fischernetzen her. Bisher mussten Fischer in Chile Fangnetze kostenpflichtig entsorgen. Dadurch entledigten sie sich der Netze direkt im Meer vor den chilenischen Küsten. Die Gründer Kevin, David und Ben eröffneten kürzlich Sammelstationen, in denen Fischer Netze kostenlos abgeben können. Die Fischerei-Industrie transportiert die Netze mittlerweile freiwillig zu den Gründern und nutzt so Leerfahrten ihrer LKWs. Dort recyceln sie die Plastiknetze zu Granulat, woraus sie letztlich flansch-neue Skateboards fertigen. »Bureo« bedeutet »die Wellen« in der Sprache der chilenischen Ureinwohner. Der Name passt zum Paddeln. Und Boote? Die Gründer haben mir via Facebook geschrieben, dass sie bereits über Kajaks nachdenken. Wären extrem passend im Neuwarenangebot der ohnehin CO2-neutralen Kanubox. Auch vor den europäischen Küsten, insbesondere in der Nordsee, gibt es (leider) viel Gelegenheit um den Rohstoff für Paddel, Boote und Bekleidung aus dem Meer zu ziehen. 10% des Weltmeerplastikmülls sollen Fischernetze sein. Vielleicht das perfekte nachhaltige Material für »Aqua Anomaly«, nach dem wir suchen?

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Kanusportler: Konsumieren wir eigentlich viel?

got canoes?

18.750 neue Boote pro Jahr. Mal zwei, mal drei Boote am Tag. Bei Prijon in Rosenheim gibt es keine Akkordproduktion. Zwei bis drei Boote pro Jahr bedeutet bei 250 Arbeitstagen 625 Boote pro Jahr. Die anderen Hersteller kommen natürlich dazu. Nicht nur Lettmann. Ich brauche sie nicht alle aufzuzählen. Bei all denen wird eher mehr produziert. Nur mal grob angenommen, 30 Hersteller würden weltweit in dem Maße wie Prijon produzieren, dann wären das 18.750 Boote, die jedes Jahr die Lager verlassen. Dazu kommen noch Helme, Schwimmwesten, Paddeljacken etc.

Wie bereits angekündigt, will ich meine These nochmals untermauern, dass nicht das einfache Paddeln problematisch ist, sondern das Drumherum. Der Konsum.

Will ich jetzt den großen Spielverderber spielen? Keineswegs! Natürlich stellen selbst 18.750 Boote jedes Jahr kein größeres Umweltproblem dar. Stichwort Motorboote, Autorennen. Aber zumindest PE verrottet nicht in Jahrhunderten. Es wird nicht von Bakterien, Tieren oder Pflanzen in den natürlichen Kreislauf integriert. Auch wenn PE, verglichen mit PVC, den blauen Engel verdient, ist es nicht unbedenklich. Über die Zeit gibt PE viele seiner chemischen Zusatzstoffe an die Umwelt ab.

Unser Sport ist keine Umweltfalle aber: Es geht darum, den eigenen Mist wegzuräumen. Wir haben uns was ausgedacht, das den Komfort in unserem Kanusport erhöht und gleichzeitig Überkonsum vermeidet. Bleibt gespannt! In Kürze zeigen wir, wie man aus 18.750 Booten vielleicht 9.000 jährlich macht und auf nix verzichten muss.